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Sonstiges: Mikrokredit statt Böller?

Ich möchte allen Lesern, die mein kleines Örtchen in letzter Zeit beehrt und eventuell sogar den RSS-Feed abonniert haben, einen gelungenen Rutsch ins neue Jahr wünschen. Zum Jahreswechsel macht man sich ja oftmals so seine Gedanken. Neben der obligatorischen Gewichtsreduzierung im neuen Jahr habe ich mich entschlossen endlich einmal Kiva auszuprobieren. Vorab habe ich deshalb ein paar weitergehende Infos zu dieser Plattform für Mikrokredite zusammengetragen, um mir selbst eine Meinung zu bilden und auch Euch eine Hilfestellung dabei zu geben.

Ich hatte schon vor etlichen Monaten von dieser Plattform gehört, sie jedoch wieder vom Radar verloren. Erst Thorsten erinnerte mich wieder daran, da er immer mal wieder über seine Aktivitäten dort berichtet (z.B. Blog-Beitrag 2009 und 2011).

Was ist Kiva?

Ziehen wir zunächst Wikipedia zu rate: "Kiva ermöglicht es jedermann, Darlehensgeber (Lender) zu werden. Der Geldgeber kann selbst bestimmen, welche Personen oder Projekte er fördern möchte. Partner vor Ort (Field Partners) wählen die Kreditempfänger (Entrepreneurs bzw. Borrower) aus und stellen sie auf der Website von Kiva potenziellen Darlehensgebern vor. (...) Die Darlehensgeber stellen Kiva ihr Guthaben zinsfrei zur Verfügung. Kiva selbst berechnet ihren Partnerorganisationen ebenfalls keine Zinsen. Das lokale Mikrofinanz-Institut berechnet dem Darlehensnehmer jedoch Zinsen, um seine eigenen Kosten zu decken."

Erfahrungsberichte?

Soweit so gut nun suchte ich nach Erfahrungsberichten und wurde bei einem Ciao-Bericht von Kadeem fündig. Wichtig finde ich hierbei die Erkenntnis, daß das Darlehen nicht gegen Ausfall abgesichert ist und somit das Darlehen von heute auf morgen futsch sein kann. Absichern kann man sich wohl am besten wie von Kadeem empfohlen mit möglichst vielen Beteiligungen an unterschiedlichen Projekten. Hierbei sollte man immer nur den Mindestbeitrag von 25 $ beisteuern und somit das Risiko breit streuen.

Schädigung des lokalen Bankwesens?

In seiner Zusammenfassung der Kritikpunkte schreibt Kadeem zudem, daß teilweise die Meinung herrscht, daß diese "Mikrokreditbanken" die eigentliche Bankwesen vor Ort kaputt machen. Doch wer behauptet dies? Ein Beispiel fand ich in einem Bericht von Spiegel Online, wo das entsprechende Zitat vom Geschäftsführer eines Unternehmens aus dem Bereich Mikrokredit-Fonds stammte, also jemandem der mit einem ähnlichen Modell Gewinne erwirtschaften will.

Auf diesen Bericht folgte ein interessanter Leserbrief von Philipp Schmidt. Dieser schreibt, daß Kiva eher als Ergänzung des Bankwesens zu sehen ist, da die Kreditempfänger oftmals auf normalem Wege gar keinen Kredit erhalten würden. Hierbei handelt es sich um eine Meinung, die ich durchaus unterstützen kann, auch wenn ich keinen Einblick in die lokalen Gegebenheiten habe.

Lokale Gegebenheiten?

Doch welche Gegebenheiten herrschen denn nun eigentlich vor Ort? Reiner Luyken hat einen Selbstversuch gewagt und ein Jahr lang beobachtet, was mit seinem Geld geschieht. Hierzu war er mehrfach persönlich bei seiner Kreditnehmerin in Sierra Leone. Das Fazit bildet meiner Meinung nach folgender Abschitt aus seinem Bericht in der ZEIT ONLINE: "Vor allem aber ist Kumba Moore persönlich gereift. Sie hat sich selbstständig gemacht – sogar vom SMT und von Kiva. Deshalb war der Kredit genau das Richtige für diese Frau an diesem Ort, für dieses Leben in diesem Land." Gleichzeitig muss man aber natürlich die teilweise komplett andere Mentalität der Leute berücksichtigen. So zweigen diese teilweise Geld für private Zwecke ab, sofern sie es für sinnvoll halten. Auch hier finde ich die Formulierung von Reiner Luyken sehr treffend: "Sie hält sich nicht an die Regeln der Bank – aber ist das so schlimm?"

Wer ist mein Kreditnehmer?

Auf der Kiva-Website gibt es eine Übersicht aller Projekte, an denen man sich beteiligen kann. Diese Liste umfasst aktuell 414 Einträge und kann nach diversen Kriterien gefiltert werden. So kann man sich beispielsweise nur Projekte aus dem Bereich Start-ups (derzeit 18 Einträge) oder Youth (derzeit 22 Einträge) anzeigen lassen. Auch kann man sich entscheiden, ob man lieber Frauen oder Männer unterstützen möchte. Doch stimmt dies wirklich so?

Nein, es stimmt im Normalfall nicht (auch wenn es bei Reiner Luyken der Fall gewesen zu scheint), wie David Roodman in seinem englischen Blog-Beitrag Kiva Is Not Quite What It Seems sehr schön darstellt. Als Quintessenz lässt sich sagen, daß das ausgewählte Projekt meist schon finanziert ist. Dies erkennt man auf der jeweiligen Projekt-Detailseite rechts neben dem Bild des Kreditnehmers an der Angabe Pre-Disbursed. Dieses Datum gibt den Zeitpunkt an, an welchem vom Partner vor Ort das Geld ausgehändigt wurde. Man unterstützt also in Wirklichkeit nicht das jeweilige Projekt sondern den Field Partner, welcher das Projekt für förderungswürdig erachtet hat, damit dieser weitere Projekte fördern kann. Dieser Umstand wurde vom Kiva-CEO Matt Flannery bereits 2009 bestätigt, ist den meisten Kreditgebern jedoch nicht wirklich klar.

Gibt es versteckte Kosten?

Eine Aufladung des eigenen "Kredit-Kontos" bei Kiva ist meines Wissens nach nur mit Paypal bzw. über Paypal mittels Kreditkarte möglich. Hierdurch entstehen laut wthepoo erstmal keine Kosten. "Aufgrund einer besonderen Vereinbarung mit Paypal muss Kiva keine Transaktionsgebühren bezahlen, erhält also für gesendete $25 auch $25 gutgeschrieben." Dieses Konto wird in US-Dollar geführt, wie auch die Gelder in US-Dollar an die Field Agents weitergeleitet werden. Sowohl bei der Einzahlung auf dieses Konto (als auch bei der Abhebung) sind somit Wechselgebühren fällig, die der Kreditgeber zahlen muss. Aus diesem Grund macht es Sinn, sein Geld möglichst oft zu verleihen und nur selten aus diesem Kreislauf wieder abzuziehen (die nächste Gebühr ist ja erst wieder bei der Abhebung vom Konto fällig).

Neben dieser Gebühr sollte man auch noch die laufenden Kosten von Kiva beachten, diese werden über Spenden, Zinseinnahmen und Fördergelder gedeckt. Die Organisation selbst empfiehlt eine Spende von 15% des jeweiligen Kredits bzw. Auszahlungs­betrags (Kiva trägt Kosten von ca. 1 $ pro 8 $ Kreditvolumen), man kann sich jedoch auch gegen diese Spende entscheiden.

Gibt es weitere Risiken?

Neben dem schon genannten Total- oder Teilausfalls seitens des Kreditnehmers gibt es noch ein weiteres Problem bei der ganzen Sache. In vielen Ländern wird der Kredit nämlich nicht in US-Dollar an den eigentlichen Kreditnehmer ausgezahlt, sondern in der Landeswährung. Die Rückzahlung findet also auch in dieser Währung statt. Da sich die Rückzahlung über mehrere Monate zieht, kann der Wechselkurs jedoch inzwischen Veränderungen unterworfen gewesen sein. Dieses Wechselkursrisiko bedingt, daß man trotz kompletter Rückzahlung durch den Kreditnehmer ggf. nicht die volle Summe zurückerhält. Ob ein Kredit in Landeswährung ausgezahlt wird, erkennt man auf der Projekt-Detailseite an der Angabe Currency Exchange Loss. Hierbei gibt es drei Möglichkeiten N/A (Auszahlung in US-Dollar), Covered (Field Agent trägt komplettes Risiko) und Possible. Bei letzterer Angabe ist ein Teilausfall möglich, da der Field Agent das Risiko nur teilweise trägt (bis 10% bzw. bei Einträgen vor dem 16. April 2012 bis 20%) und den Rest die Kreditgeber.

Fazit

Trotz der ganzen Stolpersteine halte ich Kiva für eine sinnvolle Plattform. Deswegen habe ich heute mein Konto angelegt und mittels Paypal aufgeladen. Leider gefiel mir bei einer ersten Sichtung der Projekte keines so wirklich (ich möchte beispielsweise keine Projekte mit Alkohol unterstützen), weswegen ich erstmal nur zu den Zinseinnamen von Kiva beitragen wollte.

Glücklicherweise fand ich jedoch zufällig doch noch ein interessantes Projekt. Bei diesem ist die Gesamtsumme fast erreicht, obwohl es erst wenige Tage gelistet ist. Es handelt sich um eine Gruppe, womit die Gefahr eines Ausfalls minimiert ist. Zudem handelt es sich bereits um den achten Kredit in Folge, womit eine gewisse Zuverlässigkeit und ein sinnvolles Geschäftsmodell erkennbar sind.

Leider hat der vermittelnde Field Agent selbst nur ein Rating von 2,5 von möglichen 5,0. Somit existiert neben dem vorhandenen Wechselkursrisiko auch eine Problemquelle in Form des Field Agents. Da es sich um ein Projekt handelt, bei dem das Geld bereits am 20.12.2012 freigegeben wurde, unterstützt man (wie schon geschrieben) eigentlich nur diesen Field Agent und nicht das dargestellte Projekt. Doch was soll ich sagen, das Konzept von Kiva funktioniert und ich habe mich irgendwie in das dargestellte Projekt verguckt.

Ich möchte jeden bitten, seinen Bekannten von dieser Plattform und diesem Projekt zu berichten. Falls Ihr euch ebenfalls registrieren möchtet, so könnt Ihr hierfür gerne meinen Invite-Link nutzen.

Hallo! Bist du neu hier? Dann abonniere doch den RSS-Feed dieses nicht mehr ganz so stillen Örtchens, um über meine geistigen Ergüsse auf dem Laufenden zu bleiben. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, sich von FeedBurner per E-Mail über meine Ausscheidungen benachrichtigen zu lassen.

Kommentare (1)

Re: Sonstiges: Mikrokredit statt Böller?

Der Artikel ist zwar schon älter, aber von dieser Plattform habe ich ehrlich gesagt bislang noch nichts gehört. Klingt aber dennoch sehr interessant. Das werde ich mir gleich einmal genauer anschauen.

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